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Saitenwind – Gedankenspiralen #12

Die Konferenz war vorbei. Manuel stand auf dem Flur. Gemeinsam mit Florian, der ihn wütend ansah. Janine war angehört wurden und noch ein paar andere Schüler aus ihrer Klasse, die bestätigen konnten, dass sie schon seit Monaten immer wieder Probleme hatte. Das hatte Manuel entlastet und es stand nur noch die Schlägerei im Raum, für die er die Schuld auf sich genommen hatte.
Es dauerte keine halbe Stunde, bis Manuel und Florian wieder hereingerufen wurden. Die beiden setzten sich möglichst weit voneinander entfernt.
„Zuerst zu dir, Manuel.“ Der Rektor atmete tief durch. Richtig gefallen mochte ihm das, was er gleich sagen würde, wohl nicht. „Janine und ihre Klassenkameraden haben dich sehr entlastet. Außerdem wissen wir, dass du im nächsten Schuljahr nicht mehr bei uns sein wirst. Deswegen halten wir nichts davon, dich für die letzten zwei Monate noch von der Schule zu verweisen, schon weil du in den bisherigen Jahren zumindest nicht durch Gewalt aufgefallen bist. Allerdings werden wir deine neue Schule von dem unterrichten, damit sie ein Auge auf dich haben werden. Wir sprechen dir daher eine Verwarnung aus. Das war es für dich. Du kannst jetzt nach Hause gehen.“
Manuel stand auf, als er auf den Schulhof war, sah er wie der Rektor noch seinen Vortrag hielt. Er schrieb seiner Mutter eine SMS. Sie hatte auch am letzten Abend bei ihm gegessen und sich mit ihm unterhalten. Es waren eher belanglose Sachen gewesen. Aber etwas anderes hatte er auch nicht erwartet und es reichte ihm.
Jetzt musste er nur noch die Zeit bis nach den Sommerferien überbrücken.Manuel schloss seine Tasche. Gerade hatte er die letzten Sachen eingepackt und ging dann zum Auto. Seine Mutter wartete schon auf ihn. Er zwinkerte ihr zu, als er sah, dass sie ihre Haare nur eingeflochten hatte.
„Soll ich dir beim Tragen helfen?“
„Geht schon. So schwer ist es nicht.“
„Wie lange dauert das denn jetzt noch?“ Sein Vater kam herein und riss Manuel die Tasche förmlich aus der Hand.
Er zuckte mit den Schultern. „Siehst du?“
Frau Bechthold grinste. „Komm jetzt.“
Manuel wollte gerade ins Auto steigen, als Janine mit Frau Weiher die Einfahrt heraufkam. Herr Bechthold stöhnte genervt. „Aber mach es kurz“, raunte er.
„Ich dachte, wir dürfen keinen Kontakt mehr haben“, sagte Manuel, als Janine ihn kurz in den Arm nahm.
„Mir doch egal. Ich will mich von dir verabschieden oder ist das zu viel?“
„Nein.“
„Deine Mutter hat mir bescheid gesagt, dass du auf Internat gehen wirst und Janine kam ein paar Tage danach zu mir“, sagte Frau Weiher und nahm beide Hände ihres ehemaligen Schülers. „Ich hoffe, dass du dort glücklich wirst. Du bist sicher nicht mein einfachster Schüler gewesen, aber der, der mich am meisten begeistert hat. Ich hätte dich gerne noch etwas länger unterrichtet.“
„Ich werde an Sie denken.“
„Das hoffe ich auch.“ Sie nahm die Gitarrentasche von ihrem Rücken und hielt sie ihm entgehen. „Ich erwarte, dass du fleißig weiter übst.“
Manuel ging einen Schritt zurück.
„Frau Weiher und ich habe uns überlegt, dass du dich darüber freuen würdest.“
Er hob abwehrend die Hände. „Das kann ich nicht annehmen.“
„Oh, du wirst. Oder willst du dich deiner Lehrerin widersetzen?“ Frau Weiher zog die Augenbrauen zusammen. „Du hast mir viel im Haus geholfen. Ohne dich würden die Gardinen heute noch nicht hängen und meine Regenrinnen werden sicher furchtbar leiden, wo du nicht mehr da bist.“
„Aber …“
„Kein aber“, fiel Janine ihm ins Wort. „Florian hat dank dir endlich gelernt, wo es lang geht. Die ganze Klasse grenzt ihn aus und er verlässt jetzt freiwillig die Schule.“
Manuel schluckte einen dicken Kloß herunter, drückte erst Frau Weiher und dann Janine noch einmal fest an sich. „Danke. Ich werde gut auf sie aufpassen.“
„Manuel! Komm jetzt gefälligst.“
„Alles Gute, mein Lieber und fleißig üben.“
„Machen Sie sich keine Sorgen.“
„Und wenn du mal wieder hier bist, kannst du mir dann auch welche machen?“ Janine zeigte auf Manuels Dreads.
„Klar doch.“
Mit aller Vorsicht legte er die Gitarre in den Kofferraum und winkte den beiden zu.

Epilog

Manuel klopfte an die Tür des Zimmers, das ihm sein neuer Klassenlehrer genannt hatte. Herr Bechthold hatte bereits die Rückfahrt angetreten, nicht ohne seinem Sohn noch einmal eindringlich klar zu machen, dass er sich zu benehmen hatte.
Nachdem er keine Antwort bekam, öffnete er die Tür. Ein Junge mit kinnlangen, schwarzen Haaren stand am Schrank neben der Tür und räumte seine Sachen ein. Mit Kopfhörern auf, klar, dass er nichts gehört hatte.
Als er Manuel sah, zuckte er zusammen und stellte die Musik aus.
„Hi, bist du Sammy?“
„Ja.“ Seine Stimme klang gedämpft, fast ein bisschen ängstlich.
„Sehr gut. Dann bin ich hier richtig.“ Er stellte die Tasche ab und reichte Sammy die Hand. „Ich bin Manuel, wir teilen uns das Zimmer.“
Sammy trat einen Schritt beiseite und ließ Manuel eintreten.
„Ich hoffe, es ist o.k., dass ich mir schon ein Bett ausgesucht habe.“
„Klar.“
Die Zimmer waren einfach eingerichtet. Auf jeder Seite stand ein Bett und an der gleichen Wand ein Schrank für jeden. Vor dem Fenster befand sich ein großer Schreibtisch mit zwei Stühlen. Eine Tür führte zu einem kleinen Badezimmer.
Manuel legte die Gitarre auf das zweite Bett.
„Wie lange spielst du schon?“, fragte Sammy schüchtern.
„Seit zwei Jahren.“
„Ich habe auch eine, aber die ist noch in Berlin. Mein Bruder bringt sie mir nächste Woche mit.“ Das klang doch schon wesentlich entspannter und Sammy lächelte sogar ein bisschen. Ja, sie würden sicher miteinander auskommen. Da machte er sich keine Sorgen. Überhaupt keine.

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Saitenwind – Gedankenspiralen #11

Musik. Manuel lag auf Bett. Wie lange konnte er nicht sagen. Es war inzwischen dunkel geworden. Das Handy hatte er ausgestellt. Janine hatte mehrmals versucht ihn anzurufen und mit jedem Klingeln, war wieder dieses Ziehen in seinem Herzen gewesen. Manuel ertrug es nicht.
Die Konferenz war in zwei Tagen und er rechnete fest mit einem Schulverweis. Die Zeichen standen gegen ihn. Aber er würde sich wehren. Mehr als die Schlägerei würde er nicht auf seine Kappe nehmen.
Kurz nach Mitternacht stand er auf und öffnete das Fenster. Kaum hatte er sich seine Zigarette angezündet klopfte es an der Tür und seine Mutter kam ohne eine Aufforderung herein.
„Du bist noch nicht 18“, sagte sie und setzte sich auf das Bett.
„Seit wann interessiert es dich?“ Er sah wieder aus dem Fenster in die sternenklare Nacht.
„Du bist mein Sohn.“
„Habe ich die letzten 15 Jahre nicht viel von gemerkt.“ Er blies den Rauch in die Dunkelheit. „Hast du Angst, die Nachbarn könnten was sehen? Die wissen es schon längst.“
„Ich weiß auch, dass du seit einem Jahr rauchst, denkst du ich rieche das nicht?“
Langsam drehte er sich um. Überrascht stellte er fest, dass sie ihren strengen Dutt geöffnet hatte und ihr hüftlanges Haar offen trug. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er sie das letzte Mal so gesehen hatte. In einem lockeren T-Shirt und einer kurzen Hose. Ohne Schuhe. Ohne Socken.
„Und warum willst du mir erst heute nen Aufstand machen?“
Sie schüttelte den Kopf. „Deswegen bin ich nicht hier.“ Sie deutete neben sich. „Komm bitte zu mir.“
Er drückte die Zigarette an den Dachziegeln aus und setzte sich.
Sie nahm seine Hände und begutachtete die schorfigen Stellen. „Ich glaube dir.“
„Was?“
„Dass du Janine nicht angemacht hast.“
„Damit stehst du aber ziemlich allein.“
„Mag sein. Ich wollte trotzdem, dass du es weißt.“
„Weiß Papa davon?“
„Dass ich hier bin?“
„Ja.“
„Nein. Er ist noch mal in die Firma gefahren. Ein Partner aus Amerika kam kurzfristig und das muss bis heute früh erledigt werden.“
Die warme Hand seiner Mutter lag noch immer auf seiner. Ohne den dämlichen Business Aufzug wirkte sie so viel jünger. Gar nicht mehr wie Anfang 40, eher wie Ende zwanzig.
„Ich habe mich erschrocken, als ich dich vorhin gesehen habe.“
Manuel konnte nicht anders als zu lächeln. „So schlimm war es jetzt auch nicht.“
„Als der Rektor angerufen hat und uns sagte, dass du in eine Schlägerei verwickelt warst, war mein erster Gedanke, dass dir hoffentlich nichts passiert ist.“
„Ist es doch auch nicht.“
Manuel zuckte zusammen, als seine Mutter plötzlich nach seinen Haaren griff und die Dreads zwischen den Fingerspitzen befühlte. „Die fühlen sich ja fast weich an.“ Sie zog die Hand zurück. Wieder musterte sie ihren Sohn. „Machst du sie mal auf?“
Er nahm das Zopfgummi heraus.
„Du hast mich ganz schön erschrocken. Aber jetzt muss ich sagen, dass es dir steht.“
„Wirklich?“
Sie nickte. „Mein erster Freund hatte damals auch welche. Wir haben uns in Frankreich kennengelernt. Er könnte kein deutsch und ich kein französisch, aber es hat sofort zwischen uns gefunkt. Meine Eltern fanden ihn schrecklich.“ Frau Bechthold lachte leise.
„Oma und Opa waren also schon immer die totalen Langweiler. Wie lange wart ihr zusammen?“
„Fast ein Jahr, wir haben uns nach den Urlaub Briefe geschrieben und dabei jedes Wort aus dem Wörterbuch rausgesucht.“
„Und warum hast du jetzt Papa und nicht ihn?“
„Die Entfernung war einfach zu groß, aber manchmal schreiben wir uns noch Mails. Ganz vergessen kann ich ihn nicht. Du bist ihm sehr ähnlich von deiner Art her.“
Manuel lehnte sich zurück. „Was sagt Papa dazu? Also, dass ihr immer noch Kontakt habt?“
„Er weiß es nicht.“
„Und du hast keine Angst, dass ich ihm etwas sagen würde?“
„Nein.“
„Weißt du schon, was er plant? Hab ich ne Chance auf Sibirien oder gleich der Nordpol?“
„Wir haben nach einem Internat für dich geschaut. Ich denke, dass ich eines gefunden habe, auf dem du dich wohlfühlen wirst. Dein Vater war dagegen, aber ich habe mich durchgesetzt.“ Sie holte einen Ausdruck aus der Hosentasche. „Schau mal.“
Manuel überflog es nur schnell. Auf dem Internat selbst wohnten nur 60 Schüler, die anderen kamen aus den Dörfern der Umgebung. Die nächste größere Stadt konnte mit einem Bus erreicht werden, und wenn es die Eltern wollten, konnte man bis zum Abitur dort bleiben.
„Dein Vater wollte dich auf ein Internat schicken, wo sie hauptsächlich schwer erziehbare Jugendliche haben.“
„Wie hast du ihn davon abgehalten?“
Sie zwinkerte ihm zu. „Dass wir von dort aus nur noch mehr gestört werden, weil die Lehrer in einem engen Kontakt mit den Eltern arbeiten. Bitte versprich mir dich dort zu bemühen. Ich erwarte keine besonderen Leistungen, ein 3er Schnitt reicht völlig aus.“ Frau Bechthold stand auf und blieb an der Tür stehen. „Ich war dir nie eine gute Mutter. Ich eigne mich einfach nicht dafür.“ Sie legte die Hand auf die Klinke.
„Mama?“
Sie drehte sich noch einmal um.
„Meinst du nicht, dass du es lernen kannst?“
Frau Bechthold lächelte sanft. „Glaubst du es denn?“
Er zuckte mit den Schultern. „Der Anfang war gar nicht so schlecht.“
Sie öffnete die Tür. „Danke, ich werde es zumindest versuchen.“
„Du solltest deine Haare öfter offen lassen. Das sieht viel besser aus, als dieser Dutt.“
Ob sie das noch gehört hatte, wusste er nicht. Manuel ließ sich auf seinem Bett zurückfallen. Warum hatte es erst so weit kommen müssen, bis sie sich zumindest einmal normal unterhalten konnten?

Saitenwind – Gedankenspiralen #10

Janine dachte wie er. Und es tat verdammt gut das zu wissen. Sie waren an den kleinen Fluss gegangen und hatten dort gesessen, bis es wieder anfing zu regnen. Dann hatte sie beschlossen zurück zu gehen. Manuel hatte ihr seine Jacke gegeben, als er sah, dass sich ihre Härchen vor Kälte aufstellten.
„Verdammt, das ist das Auto von meinen Eltern.“ Janine zeigte auf den schwarzen Wagen in der Einfahrt. „Das gefällt mir nicht.“
Manuel auch nicht. Wieder schloss sich ihre Hand um Seine.
Frau Bechthold öffnete den beiden die Tür. Sie musterte ihren Sohn, kam dann noch etwas näher. „Tut dir etwas weh?“, flüsterte sie und war das wirklich ein Hauch von Sorgen in ihren Augen?
Er schüttelte den Kopf und sein Herz machte einen Sprung. Wie lange hatte er darauf gewartet?
„Wie lange dauert das denn?“ Sein Vater kam in den Flur. Sah zuerst zu seiner Frau, dann auf seinen Sohn. „Fang bloß nicht an, Mitleid mit ihm zu haben. Der braucht eine Tracht Prügel, nicht mehr.“
Janine drückte Manuels Hand. Er warf ihr einen beruhigenden Blick zu. An ihrer offensichtlichen Nervosität änderte das nichts.
Sie betraten das Wohnzimmer, sofort sprangen Janines Eltern auf und rissen sie von Manuel weg. Sie wehrte sich, aber der festen Umarmung ihrer Mutter konnte sie nicht entkommen. Manuel fühlte Eifersucht in sich aufflammen.
„Alles in Ordnung mit dir, meine Kleine? Wir haben uns solche Sorgen gemacht, als dein Lehrer uns angerufen hat.“
„Es geht mir gut.“ Endlich befreite sie sich aus dem Griff. „Was hat er euch gesagt?“
Wieder wurde Janine von ihrer Mutter an sich gezogen, während ihr Vater Manuel fixierte. Seine Augenbrauen waren zusammengezogen, Zornesfalten lagen ihm auf der Stirn. Damit war für Manuel alles klar.
„Ich habe sie nicht angemacht“, sagte er ruhig.
Janines Vater packte die Hand seiner Tochter. Sie schüttelte ihr Haar aus dem Gesicht, um einen freien Blick auf ihren Vater zu haben. „Florian wollte ein Bild von mir auf Facebook stellen. Sein Freund hat mich festgehalten. Manuel hat mir geholfen, indem er dazwischen ging. Die beiden haben mich schon seit Monaten auf dem Kicker.“
„Und warum bist du nicht zu uns gekommen?“
Janine schnitt eine Grimasse. „Als ob euch das interessiert hätte“, schnaubte sie. „Solange meine Noten gut sind, war es euch doch egal.“
„Janine! Nicht in diesem Ton.“
Ihre Augen verengten sich. „Was ist los? Passt es euch nicht, dass ich vor anderen nicht die glückliche Familie spiele?“
„Ich muss mich für meinen Sohn entschuldigen“, kam es von Herrn Bechthold. „Hätte ich gewusst, dass er so einen schlechten Einfluss auf Janine hat, hätte ich Sie nie angesprochen, ob Ihre Tochter ihm Nachhilfe geben würde.“
„Ich fasse es ja nicht! Sie tun ja, als wäre Manuel der Teufel persönlich. Er hat mir zweimal gegen diese Typen geholfen, sich dabei verletzt und wird jetzt als der Böse hingestellt? Was soll das?“
„Schon gut.“
„Nein, ist es nicht!“ Janine drehte sich zu Manuel um. „Nimm das nicht alles so hin.“
„Du siehst doch, dass du auch gegen eine Wand reden kannst und die würde mehr nachgeben.“
„Wehr dich endlich“, forderte sie.
„Ein Unfall hat sich nicht zu wehren.“
„Jetzt reicht es aber“, fuhr ihm sein Vater dazwischen.
Manuel funkelte ihn an. „Wo liegt dein Problem? Nur weil ihr zu dämlich wart, ein Kondom zu benutzen, habt ihr mich jetzt am Hals und es geht euch auf die Nerven.“ Er sah die Hand seines Vaters zittern. „Na los, schlag doch zu. Ich habe keine Angst davor. Eine Ohrfeige mehr oder weniger macht da auch nichts.“
Provokation bis zum Äußersten. Er hatte es bisher nie in Anwesenheit anderer gemacht. Aber nach Janines Vortritt würde er sich wie ein Verräter vorkommen, wenn er jetzt den Mund hielt und plötzlich stand sie neben ihm. Nahm seine Hand. Er drückte sie.
„Ihr seid echt das Letzte“, raunte Janine und sah zwischen ihren und Manuels Eltern hin und her. „Alle.“
„Jetzt habe ich aber endgültig genug. Du kommst sofort mit nach Hause und zu Manuel wirst du keinen weiteren Kontakt zu haben, bevor er dich ganz verdirbt.“
Manuel drückte ihre Hand fester. Keine Angriffsfläche bedeutete, weniger verletzlich zu sein. Er musste sich eingestehen, dass er sich durchaus zu ihr hingezogen fühlte, aber es würde sie nur in Schwierigkeiten bringen. Sie beide und er ahnte, dass es für Janine schlimmer sein würde, als für ihn.
„Er hat mich nicht …“
„Geh.“ Es war so einfach.
„Das kannst du doch nicht ernst meinen?“
„Doch.“ Und es tat so unendlich weh. „Es ist besser für dich.“
Sie versuchte ihm in die Augen zu schauen. Er wusste, dass es ihm das Herz brechen würde den Blick anzunehmen, aber wenn er sie überzeugen wollte, dann hatte er keine andere Wahl. „Nein, es ist für dich einfacher.“
„Ich will nicht, dass du verletzt wirst und wenn wir so weiter machen, wirst du es. Du bist ein verdammt hübsches Mädchen, intelligent und selbstbewusst. Ich bringe dich nur in Schwierigkeiten. Geh, bitte.“ Woher kamen diese Worte? Es waren nicht die, die er hatte sagen wollen. Sein Plan war es gewesen sie fertig zu machen. So zu tun, als wäre sie nichts weiter als ein Spiel gewesen. Stattdessen hatte sein Herz die Kontrolle übernommen.
Janines Vater zog sie weg. Sie ließ seine Hand los.
„Hast du schon mal überlegt, dass wir die Schwierigkeiten hätten überstehen können?“ Sie wurde in den Flur gedrängt. „Hast du mal daran gedacht, dass ich dich mögen könnte?“
„Wir werden eine Möglichkeit finden.“ Herr Bechthold ging mit Janines Familie zur Tür. „Sie werden keinen Kontakt mehr haben. Ich hoffe das beste für Ihre Tochter.
Die Haustür fiel ins Schloss.
Manuel ging zur Treppe.
„Du bleibst hier“, donnerte sein Vater.
Er blieb auf der ersten Stufe stehen. „Was willst du noch?“
„Komm hier her.“ Sein Vater zeigte neben sich auf den Fußboden.
„Musst du jetzt Macht zeigen?“ Er grinste. „Dein Ego muss ja eben echt gelitten haben.“
Herr Bechthold packte seinen Sohn an den Oberarmen. Als Manuel versuchte seinen Blick abzuwenden, griff sein Vater in seine Haare und zog seinen Kopf zurück. „Das wird bittere Konsequenzen für dich haben, verlass dich drauf.“
„Ach ja? Wie denn?“
„Das wirst du noch sehen.“
„Ich bin gespannt. Wie wäre es mit einem Straflager in Sibirien?“ Warum hatte er eigentlich bei dem Blick seines Vaters das Gefühl, das dies nicht Mal so abwegig war? „Dann wäre dein verkommender Sohn wenigstens so weit weg, dass du dich nicht ständig für ihn schämen müsstest.“
„Glaube ja nicht, dass du mir auf der Nase herumtanzen kannst.“ Herr Bechthold verstärkte den Griff an Manuels Haaren, dass es ihm unangenehm an der Kopfhaut zog. Herausfordernd sah er seinen Vater an. „Wieso? Die letzten Jahre hat es doch gut geklappt.“
„Du gehst jetzt sofort auf dein Zimmer.“
Er wurde losgelassen und folgte dem Befehl. Auf der halben Treppe blieb Manuel noch einmal stehen und drehte sich um. „Dass dir eins klar ist, ich habe Janine weggestoßen, weil ich ihr es nicht antun kann, das hier alles mitzuerleben. Nicht für dich.“