Saitenwind – Alles auf Anfang

Vorwort:

Hallo zusammen,

dies ist nun erst einmal der letzte Teil der Saitenwind Reihe. Es wird danach noch weitergehen, aber ich möchte keine zeitliche Angabe machen, wann es weitergeht. Ich hoffe noch in diesem Jahr. Versprechen kann ich aber nichts.

Kapitel 1

„Ach Mist, ich bin zu sehr an eine E-Gitarre gewöhnt.“ Sammy schüttelte den Kopf und gab Manuel seine Gitarre zurück. „Das Griffbrett ist einfach zu breit.“
„Das ist nur eine Sache der Gewöhnung.“
„Ja, wahrscheinlich.“ Er lehnte sich an den Baum und sah in das dichte Blätterdach hinauf. „Aber nächste Woche kommt endlich mein Bruder und dann habe ich meine Eigene wieder.“
Ich bin ja echt gespannt auf diesen Kerl, immer wenn Sam von ihm spricht, kommt er aus sich raus.
Die Glocke läutete.
„Ich bringe noch die Gitarre weg.“
„Ich komme mit.“
„An die lange Mittagspause muss ich mich echt gewöhnen.“ Manuel legte die Gitarre in die Tasche und hängte sie sich über die Schulter. „Und daran, dass wir ewig Unterricht haben.“
„Eigentlich ist es nur eine Ganztagsschule.“
Manuel grinste. „Das haben Internate meist so an sich.“
„Ab Montag kommen dann auch die Schüler von den Dörfern dazu.“
„Hörst dich nicht so begeistert an.“
„Naja, ich verstehe nur nicht, warum wir erst eine Woche nur unter uns sind und dann erst die Anderen dazu kommen.“
„Wahrscheinlich, weil das Schuljahr hier erst eine Woche später anfängt und das Internat ab September bezahlt werden muss.“
„Oh, ja kann sein.“
Die beiden betraten die Eingangshalle des Backsteingebäudes. Einst war es ein Hotel gewesen, als die Gäste weniger wurden, hatte es viele Jahre leergestanden, bis es schließlich zu einem Internat umgebaut wurde. In der Lobby konnte man noch einen Hauch der ehemaligen High Society Besucher spüren. Die Ziersäulen aus künstlichen Marmor hatte man stehengelassen und auch die mit dunklem Holz verkleidete Anmeldung. Jetzt diente sie als Kiosk für die Schüler und als Postabgabe. Auch wenn Letzteres in Zeiten von Email und WhatsApp immer mehr an Bedeutung verlor.
„Wann will dein Bruder eigentlich hier sein?“
Sammy zuckte mit den Schultern. „Je nachdem wie er durchkommt und er weiß auch nicht, ob sie am Abend noch einen Auftritt haben. Dann würde er erst am nächsten Tag kommen.“
„Eine Underground Band hat es auch nicht leicht, oder?“
„Nein.“ Sammy lächelte kurz. Ein sehnsüchtiges Lächeln, dass er nur zeigte, wenn es irgendetwas mit Musik zutun hatte oder mit seinem Bruder. „Manchmal bekommen sie erst einen Tag vorher gesagt, ob sie einen Auftritt haben. Das wirft dann schon mal den ganzen Plan durcheinander.“ Er öffnete die Tür zum Zimmer der Beiden. „Aber ich habe da Verständnis.“
Manuel legte die Gitarre unter das Bett. „Klar. Sag mal, hast du überhaupt einen Verstärker?“
„Francis bringt mir einen Ausgedienten von der Band mit.“
„Vielleicht dürfen wir ja mal den Proberaum vom Internat benutzen und was zusammen spielen.“
„Gerne.“
Die Glocke läutete ein zweites Mal. Schnell packten die Jungs ihre Rucksäcke. Sie hätten genau jetzt im Klassenzimmer sein sollen.

Ist das herrlich! Yuma lehnte sich auf Stuhl zurück. Internet wann immer ich mag. Sie setzte Kopfhörer ab, die an jedem PC der Schule hingen und rieb sich die Augen. Da sie nie viel am Computer hatte arbeiten können und ihre Familie auch keinen Fernseher besessen hatte, waren es ihre Augen nicht gewöhnt, länger am Bildschirm zu arbeiten.
Sie stand auf und verließ den Computerraum. Yuma ging die langen Gänge entlang, die meisten Unterrichtsräume waren noch abgeschlossen.
Ich bin gespannt, wie die Schüler von außerhalb sind, dachte Yuma. Als sie an einem Raum vorbeikam, dessen Tür halb offen stand, blieb sie stehen.
Ein Klavier.
Sie schob die Tür noch etwas weiter auf. Außer dem Instrument standen nur noch ein paar Stühle und ein einsamer Tisch darin. Gibt es hier etwa Klavierunterricht? Es kribbelte in ihren Fingern. Der Flügel schien sie magisch anzuziehen. Nur einmal ganz kurz darauf spielen wäre sicher in Ordnung. Zwar hatte sie ihr Keyboard mitgenommen, aber es war einfach nicht das Gleiche.
Sie stellte ihre Tasche ab und setzte sich auf den kleinen Hocker. Ihr Herz schlug schneller vor Vorfreude, als sie die Abdeckung für die Tasten hochschob. Yuma war sich nicht sicher, ob es die Angst war, etwas Verbotenes zu tun, oder die Aufregungen, die sie nur vorsichtig die ersten Töne spielen ließ.
Ein schöner Klang.
Sie schloss die Augen. Nora hatte ihr zum Abschied ein paar Notenblätter mitgegeben, mit denen Yuma auch schon fleißig geübt hatte und einen Teil bereits auswendig spielen konnte.

But she said, where`d you wanna go
How much you wanna risk
I`m not looking for somebody
With some superhuman gifts

Yuma hörte neben ihrem Gesang noch eine andere Stimme. Sie war angenehm tief, ein wenig rauchig, aber dabei sehr warm. Es passte zu Ihrer und sie hatte das Phänomen schon oft beim Singen gehabt. Ihr Kopf hatte Spaß daran ihr einen Partner zur Verfügung zu stellen und Yuma ließ ihn gerne gewähren.

Some superhero
Some fairytale Bliss
Just something I Can turn to
Somebody I Can kiss

Hier endete der Teil, den sie blind spielen konnte, doch als der letzte Ton noch nicht verklungen war, sang die Stimme noch eine Zeile weiter.

I Want something just like this

Yuma schreckte zusammen und drehte sich zur Tür, die sich langsam schloss. So schnell sie konnte, stand sie auf und sah auf den Gang hinaus. Zu sehen war niemand, aber es hallten ein paar Schritte, die immer leiser wurden.
„Hallo?“ Keine Reaktion. Die Schritte waren verschwunden. „Mist.“ Aber sie würde schon noch herausfinden, wer da mit ihr gesungen hatte.

Sammy hasste es unterfordert zu sein. Besonders dann, wenn es im Raum so warm war, dass sein Körper glaubte, in einer kuschligen Decke eingewickelt war und ihm die Augen immer wieder zufielen. In Berlin war ihm das nie passiert. Seine Gedanken hatten in diesen Situationen nur darum gekreist, wie er taktisch am klügsten die Schule verlassen konnte. An Schlaf war da nicht zu denken. Das fiel hier weg. Und er wünschte sich sein altes Leben auf keinen Fall zurück. Er war erst seit einer Woche auf dem Internat und fühlte jeden Tag, wie er sich mehr und mehr entspannte.
Mit Manuel hatte er sofort Anschluss gefunden. Sie waren mit ihren Interessen auf einer Wellenlänge und er freute sich darauf mit ihm gemeinsam Gitarre zu spielen. Manuel schien deutlich mehr Erfahrung zu haben und vielleicht konnte er von ihm auch noch etwas lernen.
„Samuel!“
Er schreckte aus seinen Gedanken hoch. Der Mathelehrer Aumann sah ihn mit durchbohrenden Blick an.
„Ja?“
„Starr keine Löcher in die Luft und arbeite weiter.“
Sammy sah kurz auf sein Blatt. „Ich bin fertig“, sagte er leise und hätte sich dafür am Liebsten eine Ohrfeige verpasst. Er saß gerade einmal 20 Minuten an der Aufgabe, die für die gesamte Stunde geplant gewesen war. Alle neuen Schüler sollten an diesem Nachmittag in den Hauptfächern eine Lernstanderhebung machen, damit die Lehrer einschätzen konnten, wer eventuell Förderbedarf hatte.
„Jetzt schon?“, skeptisch zog der Mann mit dem grauen Bürstenschnitt die Augenbraue hoch. „Hast du auch die Rückseiten bearbeitet?“
Wer bis jetzt noch geschrieben hatte, hob den Kopf und schon stand Sammy wieder in dem Licht, das er so gerne ausgelassen hätte.
„Ja.“ Seine Stimme verließ ihn.
„Dann bring mir das mal nach vorne.“
In einer mechanischen Bewegung schob Sammy den Stuhl zurück und lief zwischen den Reihen hindurch. Er spürte die Blicke der anderen Schüler auf ihm Ruhen, es war genauso unangenehm wie früher.
Herr Aumann nahm den Test an sich und Sammy kehrte zurück auf seinen Platz. „Und ihr anderen arbeitet weiter, die Zeit läuft.“
Der Lehrer ging die Aufgaben durch und nach ein paar Minuten kam er zu ihm. „Es stimmt also, was man über dich erzählt.“ Aumann warf legte ihm die Blätter vor die Nase.
Sammy sah auf. Der Blick des Lehrers durchdrang ihn förmlich und ließ ihn frösteln.
„Du bist ein kleiner Wunderknabe.“
„Nein.“
Wieder hörten alle auf zu schreiben.
„Na ja, wie du meinst.“ Der Lehrer drehte ihm den Rücken zu und kehrte zu seinem Tisch zurück.
Manuel warf ihm einen fragenden Blick zu. Sammy wich ihm nur aus.
Bitte lass es nicht wieder anfangen.

Der zitierte Songtext gehört zu: Something Just Like This – The Chainsmokers & Coldplay

 

Werbeanzeigen

Themenmonat Nocturnus: Meine Vorstellung von Vampiren

Meine Vorstellungen von Vampiren wurden von mehreren Dingen beeinflusst und ich nehme es gleich vorweg; es war nicht die Biss-Reihe 😉
Angefangen hat es mit Vampire Miyu und Interview mit einem Vampir. Ich weiß nicht mehr, was zuerst kam, aber es dürfte etwa zu gleichen Zeit gewesen sein. Mir gefiel die Vorstellung, wie die Vampire die Zeit wahrnehmen. Es erinnerte mich immer an einen Felsen in einem reißenden Fluss, der die Zeit darstellt und der Vampir bleibt unverändert darin.
Dann spielte ich Vampire –The Masquerade Redemption und Bloodlines. Ich habe auch einmal eine Runde des Pen and Paper Rollspiels gespielt. (Falls es jemanden interessiert, mein Charakter war eine 12 jährige Nosferatu.) Was mich an dem Rollenspiel reizt, ist die Maskerade selbst. Vampire können in unserer Zeit nicht einfach nicht mehr Menschenmordend durch die Straßen rennen. Die Jäger sind durch den Fortschritt der Technik besser und zu einer echten Bedrohung geworden.

Und wie stelle ich mir nun Vampire vor

Vampirsein ist kein Ponyhof. Stellt euch einmal vor, ihr würdet nicht mehr älter werden. Alles was oder wen ihr kennt, verschwindet oder verändert sich. Sicher, die Welt verändert sich auch bei einer normalen Lebensspanne. Aber denken wir einmal 20 Jahre zurück. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen und für viele wirklich noch Neuland 😉
Erinnert ihr euch noch an euer erstes Handy? Bei mir war das ein Nokia 5110. Ich konnte damit telefonieren, SMS schreiben und Snake spielen (Letzteres war natürlich das wichtigste ^.^) Und jetzt vergleichen wir das mal mit meinem aktuellen Smartphone. SMS, telefonieren, Navi, Internet (und alles was damit verbunden ist), Fotos …
Stellt euch einmal vor, ihr wäret im Jahr 1800 geboren. Die ganzen Erfindungen, Errungenschaften und was man da alles erlebt hätte. Ich hatte bei meiner Oma ein Lexikon in der Hand, in dem noch davon ausgegangen wurde, dass auf dem Mars Vegetation existiert. Und das waren noch nicht mal 100 Jahre!
Ich hoffe, ihr wisst, worauf ich hinaus will. Ich stelle mir das sehr anstrengend vor, sich immer wieder neu einzustellen.

Meine Vampire trinken Menschenblut! Sie kommen auf mehrere Arten daran. Entweder sie saugen die Menschen aus, bemühen sich aber, dabei nicht zu töten. Ein Mensch kann durchaus eine kleine Menge Blut verlieren ohne davon zu sterben. 400 ml werden auch bei einer Blutspende abgegeben. Ein Toter ruft die Jäger auf den Plan und dank der neuen Techniken sind sie durchaus eine Gefahr.
Es gibt aber auch Vampire, die sich über Blutbanken ihr Essen besorgen.

Es gibt Vampire, die gerne mehr Kontakt mit den Menschen hätte und davon träumen, dass man irgendwann friedlich miteinander leben kann. Andere Vertreter würden die Menschen am liebsten als Tiere halten und sie als das ansehen, was sie in erster Linie für die Blutsauger waren. Und dazwischen gibt es alle möglichen Facetten. Schließlich waren Vampire in der Regel mal Menschen und sie verlieren ihren Charakter nicht.

Was allen Vampiren innewohnt, ist die Bestie. Sie ist das, was sie zu dem Raubtier macht, die man auch in alten Vampirfilmen sehen konnte. Sie ist der Instinkt, der sie leitet, wenn sie Hunger haben. Emotionen lassen sie ausbrechen und natürlich Hunger. Kämpft ein Vampir, muss er sich mit der Bestie arrangieren. Sie ist es, was den Vampir die Kraft gibt und von den Menschen unterscheidet. Sie wird stärker, je älter der Vampir wird. Also muss der Vampir immer an der Kontrolle der Bestie arbeiten. Alle Fähigkeiten sind abhängig von der Bestie. Ob es die bessere Wahrnehmung ist oder übermenschliche Kraft ect.

Ja, das ist meine Auffassung von Vampiren. Und nein, sie können nicht in die Sonne 😉

Themenmonat Nocturnus: Die Geschichte von Nocturnus

Blicken wir zurück ins Jahr 2001 / 2002. Ich war damals zarte 13 bzw. 14 Jahre alt und wollte Fantasy schreiben. Vampire hatten mich schon immer ein wenig fasziniert und dann las ich passend den Manga Vampire Miyu. Ich weiß, Miyu ist kein typischer Vampir, sie kann in die Sonne gehen ect. Aber ihre Darstellung des Vampirlebens fand ich sehr schön beschrieben. Nicht ein: Cool, ich bin ein Vampir und leben ewig. Sondern dass es anstrengend ist Vampire zu sein und wie schnelllebig die Zeit für sie war.
Also fing ich auf blauen Dunst und mit groben Plan an zu schreiben. Der Titel war Vampirjägerinnen. Nein, ich kannte Buffy damals noch nicht. Es waren immerhin stolze 60 Seiten in Times New Roman in Größe 12. Ich habe es nie überarbeitet. Einen Ausdruck davon habe ich noch und heute weiß ich, dass man aus Teilen davon noch etwas machen könnte und wer weiß, was noch kommt. Die Rohversion habe ich nie überarbeitet. Sie blieb liegen.
Ich versuchte zwar immer mal wieder, die Geschichte irgendwie aufzunehmen, aber so richtig wollte es nicht.
Irgendwann in der Zeit zwischen 2003 und 2007 schrieb ich eine Kurzgeschichte, die den Grundpfeiler zu In den Fängen des Ahnen legte, aber auch die blieb in meiner Schublade. Ich glaube sie hier: Wenn du denkst, du bist allein. Behaltet dies im Hinterkopf ;
Kommen wir nun ins Jahr 2008. Im Novemver/Dezember schrieb ich an den Wochenenden meines ersten Ausbildungspraktikums Vampire human – Lucias Erwachen. 2013 nahm ich das erste Mal am NaNoWriMo Teil und verarbeitete darin etwas aus Vampirjägerinnen. An dieser Stelle tritt das erste Mal Nocturnus aus den Plan. Nocturnus – Kampf um Deimos. Und ein paar Monate später kam dann die Kurzgeschichte Wenn du denkst, du bist alleine wieder aus der Schublade gekrochen. Ich schrieb sie neu und aus 3500 Wörter wurden 7500!
Zu dem Zeitpunkt war ich Mitglied in einer Schreibgruppe, die von dem, leider verstorbenen, Autor André Wiesler geleitet wurde und stellte sie dort vor. André war leidenschaftlicher Fantasy Leser und er fand sie gut, gab Anregungen und Tipps. Wir befinden uns im Jahr 2014.
Die Geschichte blieb wieder liegen. Eine lange Zeit.
2015 nahm ich am NaNoWriMo Teil und schrieb Lucias Erwachen neu. Ich hatte die Idee den Roman als Fortsetzung zu der Kurzgeschichte zu nehmen. Ich habe die liebe Lucia bis heute nicht überarbeitet. ABER ein alter Wunsch flammte wieder auf. Eine Reihe mit Kurzromanen, die in kurzen Abständen entstehen sollten und die eine Länge hatten, die man bequem auf dem Handy im Bus, Wartezimmer ect. Lesen konnte.
Ich kramte In den Fängen des Ahnen hervor, überarbeitete sie und testete dabei Papyrus Autor und warf sie 2017 mit einem grausigen Cover auf den Ebook Markt. Das Cover änderte ich einmal und im Januar 2019 bekam auch noch einmal ein richtiges Korrektorat und ein deutlich besseres Cover.

Ja, das wäre sie, die Geschichte von Nocturnus.