Rückmeldung und Nennt mich Miyamoto – Kapitel 16

Hallo zusammen,

wie ich in ein paar Post erwähnt habe, bin ich umgezogen und langsam läuft das Leben wieder in normalen Bahnen. Daher ist die Pause hier auch beendet und Fliegende-Gedanken erwacht aus seinem Winterschlaf.

Nathaniel wusste nicht, wie lange sie unter der Treppe gelegen hatten. Irgendwann war es der Polizei gelungen, die Menschen zurückzudrängen und auseinanderzutreiben. Die Schreie waren leiser geworden, die Sirenen mit der Zeit verklungen. Rettungskräfte waren eingetroffen, um die Verletzten auf beiden Seiten zu versorgen. Noch immer lag ein leichter Rauch in der Luft, eines der Polizeiautos war restlos ausgebrannt und das Wrack qualmte vor sich hin. Der Geruch von Benzin war noch nicht verweht.
„Jill?“
Sie hob den Kopf. Während der letzten Stunden hatte sie sich kaum bewegt.
„Ja?“
„Hast du eine Ahnung, was hier los war? Warum diese Demo?“
Sie steckte ihren Kopf aus dem Versteck und sah sich um. „Ja, ich glaube schon.“ Sie kroch aus dem Versteck und streckte sich. Ihr Rücken knackte dankbar. „Durch die finanzielle Lage der Stadt wurde diskutiert, die Strompreise anzuheben.“
„Davon wusste ich noch gar nichts.“
„Das ist auch noch nicht durch, aber so angespannt, wie die Lage derzeit ist, reicht jedes falsche Wort um so etwas auszulösen. Die Leute sind nicht mehr bereit, alles schweigend hinzunehmen.“
Nathaniel betrachtete die Verwüstung. Fensterscheiben waren eingeschlagen, Autos, die am Straßenrand standen beschädigt. Überall lagen Flaschen, Steine und andere Wurfgeschosse. Leere Patronenhülsen waren wie Salz gestreut und auch Blut. Sicher nicht alles, was geflossen war. Die Wasserwerfer hatten vieles davon weggespült.
„Woher weißt du von solchen Überlegungen?“
Jill holte ihre Tasche unter der Treppe hervor. „Es gibt einen Blog, der darüber schreibt. Allerdings weiß niemand, wer ihn führt und die Politiker sind nicht begeistert davon. Er wurde schon mehrfach gesperrt, nur um ein paar Stunden später wieder aufzutauchen.“
„Da weiß einer, was er tut.“
„Ja, den Blog gibt es seit drei Monaten und auch wenn die Politik es immer dementiert, dass es stimmt, was dort geschrieben wird, deckt es sich hervorragend mit dem, was passiert.“
„Dann muss da ein verdammt guter Hacker am Werk sein oder ein Insider. Gibst du mir die Adresse? Ich habe noch nichts davon gehört.“
„Klar. Aber lass uns schnell zu mir nach Hause, ja? Ich mache mir Sorgen.“
Daran hatte Nathaniel gar nicht mehr gedacht. Jill wohnte am anderen der Straße.
Auf dem Weg dorthin betraten sie eine Schneise der Verwüstung. Je mehr man die Menschen zurückgedrängt hatte, desto mehr hatten sie sich gewehrt. Nathaniel war sich sicher, dass die Straßen beim letzten Mal auch nicht in einem guten Zustand war, aber dass ganze Asphaltstücke fehlten, daran konnte er sich nicht erinnern. Pflastersteine aus dem Bürgersteig fehlten.
Wenn das bekannt wird, heißt es in der Schule wieder, dass die Menschen hier generell gewalttätig sind. Ich versuche, mich zu informieren und bekomme bei Weitem nicht alles mit. Für die, die das gar nicht tun, ist dann nur der Ruf nach mehr Polizeipräsenz da.
Nathaniel hatte gesehen, wie die Polizei gegen die Menschen vorgegangen war. Sie hatten ihren Job gemacht, so wie man es ihnen sagte, aber sie hatten müde gewirkt. Ihr Handeln war träge gewesen und untereinander kaum koordiniert. Ganz als würde sie ihre Arbeit nur noch machen, weil es ihr Job war, aber nicht mehr dahinter standen. Er konnte beide Seite verstehen.
Er ahnte, wie zwecklos ihnen das alles vorkommen musste. Sie sperrten Gangmitglieder ein und die machten hinter Gittern einfach weiter. Sie riskierten ihr Leben und wussten schon lange nicht mehr wofür. Nathaniel hatte gehört, dass viele aus dem aktiven Dienst austraten oder versuchten versetzt zu werden.
„Das Haus steht noch“, sagt Jill erleichtert und riss Nathaniel aus seinen Gedanken. „Aber warum steht die Tür offen?“
Ihre Schritte wurden schneller, er folgte ihr. Dann fing sie an zu rennen.
„Mum, Dad?“ Jill sprang die drei Stufen der Verander hinauf und stürmte ins Haus. Einen Schritt hinter der Tür blieb sie stehen und Nathaniel hatte Mühe nicht auf sie aufzulaufen.
„Oh!“ Nathaniel ließ seinen Blick über das Chaos wandern. Schränke waren umgeworfen, Schubladen herausgezogen und der Inhalt über dem Boden verstreut.
„Plünderer?“, fragte er.
„Nein.“ Jill schüttelte den Kopf und stieg über die Kleiderständer. „Die paar Sachen, die überhaupt einen Wert hatten, sind noch da.“ Sie zeigte auf den Fernseher und den Computer. Nicht mehr die neusten Modelle, aber ein paar Dollar würden sie vielleicht noch bringen.
„Meine Eltern hätten um die Zeit zuhause sein sollen.“ Jill rannte die Treppe hinauf und Nathaniel öffnete die Tür zum Keller, nachdem er im Untergeschoss nicht fündig geworden war. In Erwartung des Schlimmsten stieg er die Stufen herunter.
Dort bot sich ihm das gleiche Bild. Verwüstung, aber keine Spur von ihren Eltern. Der Boden klebte von den zerbrochenen Marmeladengläsern, deren Inhalt sich mich Sauren Gurken und Tomatensoße mischten.
„Nathaniel!“, rief Jill die Treppe herunter. „Hast du sie?“
„Nein, leider nicht.“ Er schaltete das Licht für den hinteren Teil des Kellers an und bekam große Augen „Aber hier ist etwas, dass du sehen solltest.“
Sie kam zu ihm. „Was denn?“
„Da.“ Er zeigte auf die Wand über der Waschmaschine. „Ein Gangzeichen.“
„Das kenne ich gar nicht. Was soll das sein? Eine Schlange und das Zeichen? Aus welcher Sprache ist das?“
„Ich weiß es nicht. Chinesisch?“
„Hat die Gang von deinem Bruder mit einer Anderen Stress?“
„Du meinst, dass das ein Racheakt war?“
„Das wäre doch gar nicht so unüblich, oder?“
„Du hast recht.“
Unruhe erfasste Nathaniel als ihm bewusster wurden, dass es nur einen Ausgang aus dem Keller gab. „Lass uns gehen. Wenn unsere Vermutung richtig ist, dann könnten die wiederkommen.“
Sie nickte und starrte weiter auf das Zeichen. „Das kommt mir bekannt vor.“
Nathaniel holte sein Handy hervor. „Ich mache ein Foto und dann können wir uns bei mir darüber Gedanken machen, in Ordnung?“
„Bei dir? Und wenn die dann bei dir auftauchen?“
„Keine Sorge, bei so vielen Sicherheitskräften wie in unserer Gegend rumrennen, kann nicht mal eine Katze über die Straße laufen, ohne dass das jemand bemerkt.“
Sie verschränkte die Arme. „Hast du nicht behauptet, dass die ganze Security nichts bringt.“
„Gegen die Massen nicht. Aber gegen ein paar Typen schon. Komm jetzt, gehen wir.“

**

„Gut, meine Eltern sind nicht zu Hause.“
„Woher weißt du das?“
„Die Garagen stehen beide offen und die Autos sind weg.“
„O.k. das ist ein Argument.“
„Mary, ich bin es und ich habe Jill dabei!“, rief er in die Eingangshalle, aber alles blieb still. Keine Schritte auf den Fliesen „Mary?“
Er stieg die Treppe hoch, auch hier im oberen Teil des Hauses war kein Mucks zu hören. Schläft sie etwa schon? Es ist doch viel zu früh.
Die Tür zu Marys Zimmer stand einen Spalt weit auf. Etwas, was sie gar nicht leiden mochte. Ihre Tür war immer abgeschlossen, egal ob sie im Zimmer war oder nicht. Nathaniels Eltern hatten das immer als unangenehm empfunden, aber sie hatten es geduldet.
„Mary?“ Er klopfte und öffnete dann die Tür. „Aber was ist das denn?“
„Was?“ Jill sah ihm über die Schulter.
„Ihre ganzen Sachen sind weg.“ Nathaniel trat in ihr Zimmer und sah sich um, fand aber nichts außer den kahlen Möbeln. „Ich verstehe das nicht, ihr Visum lief doch noch für drei Monate.“
„Das kann ich dir gerne erklären.“ Wie Nathaniels Zimmer hatte auch Marys ein eigenes Bad. Aus diesem kam Mr. Alister heraus.
„Dad, was machst du hier und warum …“
„Mein Auto steht um die Ecke, ich wollte dich auf dem gleichen Fuß erwischen, wie du mich.“
Nathaniel schob Jill hinter sich.
„Kannst du dir vorstellen, wie ich mich gefühlt habe, als deine Schule mich anrief und von deinem Rauswurf erzählt hat!“
„Das ist nicht die Antwort darauf, was mit Mary passiert ist.“
Jill legte ihm die Hand zwischen die Schulterblätter. Es half ihm ruhig zu bleiben.
„Mary ist wahrscheinlich auf dem Weg zum Flughafen.“
„Wahrscheinlich?“
Voller Selbstgefälligkeit verschränkte sein Vater die Arme. „Ich habe gewusst, dass sie auf deiner Seite gestanden hat. Sie hat dich in deinem ungezognen Verhalten unterstützt. Ich habe es nur toleriert, weil sie gute Arbeit im Haus geleistet hat und in wenigen Wochen sowieso gegangen wäre. Aber heute hast du das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Das Gesicht seines Vaters bekam einen roten Unterton. „Du hast deinen Platz auf der besten Schule der Stadt für ein Mädchen.“
Nathaniel spürte, wie Jills Hand ein Stück wich, sich dann aber sofort wieder an seinen Rücken legte.
„Sie hat nichts damit zu tun. Jill war nicht einmal mehr im Raum, als ich mit den Lehrern gesprochen habe.“
„Gesprochen?“ Sein Vater stürmte auf ihn zu und packte ihn am Kragen. „Gesprochen nennst du das? Wie ein Berserker sollst du gewütet haben und hast Aiden verletzt.“
Nathaniel war durchaus mehr als nur wütend gewesen, aber als einen Berserker hätte er sich noch nicht bezeichnet.
„Ich gebe zu, dass das vielleicht nicht hätte sein müssen. Trotzdem hatte er es verdient.“
„Wie bitte?“ Die Hand seines Vaters wurde fester. „Aiden ist ein gut erzogener Junge aus einer anständigen Familie. Ich habe mit den Lehrern gesprochen und weiß, was du ihm unterstellst. Gib es zu, das Treffen ging von dir aus, um ihn in Schwierigkeiten zu bringen.“
„Es ging von Aiden aus. Ich war dabei.“ Jill sah hinter Nathaniels Rücken hervor, hielt ihre Hand aber noch bei ihm.
„Du hältst den Mund! Und was hast du hier überhaupt verloren, du verlässt sofort mein Haus.“ Mr. Alister zeigte Richtung Treppe.
„Wenn du sie rauswirfst, dann gehe ich mit ihr.“
„Lass gut sein.“ Jill sah Mr. Alister mit tosendem Sturm an. „Ich bin hier nicht erwünscht. Aber eines sage ich Ihnen, irgendwann fallen Sie von Ihrem hohen Ross. Sie und Ihre ganzen tollen Freunde.“ Mir erhobenen Kinn ging sie zur Treppe.
Nathaniel riss sich von seinem Vater los und folgte ihr. „Wo willst du denn hin? Du kannst doch unmöglich zurück in euer Haus.“
„Ich finde schon etwas. Jede Brücke ist besser, als hier.“
Er hielt ihre Hand fest und drehte sie zu sich. „Ich komme mit dir. Du kannst auf keinen Fall alleine dort draußen bleiben.“
„Mach dir um mich keine Sorgen, ich komme schon zurecht.“ Ein schneller Seitenblick zu Mr. Alister, dann wandte sie sich wieder an Nathaniel. „Es war schön dich kennengelernt, aber ich habe dir nur Probleme gemacht. Wir kommen aus zwei Welten, die sich für kurze Zeit angenähert haben, aber jetzt ist es besser, wenn sie sich wieder entfernen. Wir sollten in unsere Welten zurückkehren.“
Er legte seine Hände auf ihre Schultern. „Wie kannst du das sagen?“
Jills Gesicht wurde sanft. Sie schloss halb die Augen und lächelte. „Wenn du an der Situation etwas ändern willst, dann brauchst du Einfluss. Und den hast du nicht, wenn du mit mir kommst. Wenn wir jemals in einer Welt leben wollen, musst du mich gehen lassen.“ Sie schob seine Hände weg und setzte ihren Weg zur Tür fort.
„Jill …“ Hatte sie ihm gerade wirklich gesagt, dass er sich anpassen sollte. Sie? Grade sie?
Er wollte ihr nach. Wollte seine Hand nach ihr ausstrecken. Aber er konnte nicht. Etwas bremste ihn aus. Er wollte die Situation ändern. Natürlich. Das war schon so lange sein Ziel und ihm war immer bewusst gewesen, dass er vieles nur erreichen konnte, wenn er Opfer brachte. Aber sollte das der Preis sein? Konnten Jill und er wirklich nicht zusammen sein, bevor sich alles geändert hatte?

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