CampNaNoWriMo April 2019 – Tag 11

Hallo zusammen,

ich habe heute die magische 10.000 Wörter Marke geknackt 😀 Damit habe ich jetzt einen Tag herausgeschrieben. Ich muss auch zugeben, dadurch, dass ich die Texte hier schon mal raushaue, habe ich den Ehrgeiz die Story auch während des Camps abzuschließen. Da es ja ein Rewrite ist, das ich vor 5 Jahren auch schon nicht fertig bekommen habe, würde ich es diesmal gerne schaffen. Mehr dazu kommt am Sonntag, da gibt es dann einen Sonderschreibsonntag.

Also, heute haben wir 1149 Wörter. Kleine Triggerwarnung: Im Wikingerzeitalter wurden Frauen geraubt, um Nachkommen zu zeugen oder sie Sklaven zu verkaufen. Ich beschreibe natürlich keine Vergewaltigung, nur die Tatsache, dass Frauen geraubt werden können.

Ihr erfahrt etwas über Keldan und Linn trifft ein Blitz der Erkenntnis.

„Das sollte reichen“, sagte Eric und betrachtete das Werk. „Dann ziehe ich mich jetzt zurück. Alric wird nicht erfreut sein, wenn ich zu lange bei dir bin.“
„Ja, danke.“
Eric zog die Tür hinter sich zu.
„Wie steht ihr beiden zueinander?“, fragte Linn.
„Eric war mein Lehrer, während mein Vater auf den Raubzügen war. Nicht alle Männer folgten ihm auf die See, ein paar blieben zurück, um die Siedlung zu verteidigen.“
„Ich dachte, das hätten die Frauen gemacht.“
„Nicht allein. Er verlor seine Familie, als wir von der Insel vertrieben wurden.“ Keldan kam ihr etwas näher. „Er steht auf meiner Seite und will das Leid beenden, was wir über die Menschen bringen.“
„Würdest du das Kämpfen wirklich aufgeben wollen?“
„Wie meinst du das?“ Keldans Blick wanderte zu seinem Schwert an der Wand. Sobald er das Haus verließ, und sei es nur zum Wasser holen, trug er es bei sich.
„Ich habe den Glanz in deinen Augen gesehen, als du mir die Lektion gegeben hast.“
Keldan ging zu Kvikur und drehte ihr seinen breiten Rücken zu. Seinen Umhang hatte er zum Arbeiten an ihrem Bett abgelegt und erst jetzt bemerkte sie, dass seine gesamte rechte Seite schmäler und schwächer wirkte. „Was erwartest du von mir?“ Seine Stimme klang plötzlich bitter.
Habe ich etwas Falsches gesagt? Sie überlegte, ob ihr Ton vorwurfsvoll geklungen haben könnte.
„Nur weil ich dafür bin sinnloses Morden zu beenden und stattdessen auf friedlichen Wege Rohstoffe und Waren miteinander zu teilen, heißt das nicht, dass ich meine gesamte Kultur aufgebe. Wir sind ein Kriegervolk. Wir fahren zu See und stellen uns allen Gefahren. Kämpfen zu können, bedeutet nicht sofort, dass man sich alles mit Gewalt nehmen muss.“
„Keldan …“ Sie sah zu Boden. „Entschuldige, ich hatte nicht geahnt, dass ich dich mit meinen Worten verletzen würde. Ich erwarte gar nichts von dir und schon gar nicht, dass du dein Leben aufgeben sollst.“
„Der Kampf hat bei uns eine hohe Bedeutung. Wir beweisen darin unsere Stärke, aber eine gute List hat ebenso einen hohen Stellenwert.“
Linn verschränkte die Arme und ein siegessicheres Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht. „Darin bist du Alric auf jedem Fall überlegen.“
„Seid dir nicht so sicher. Mein Vater mag wie ein Barbar wirken, aber er weiß auch die Zeit für sich zu nutzen. Als wir von der Insel fliehen musste, starben viele seiner Krieger, aber die Kinder kamen mit. Die meisten waren in meinem Alter und sind jetzt zu starken Männern herangewachsen.“
„Wie alt warst du, als ihr die Insel verloren habt?“
„Drei.“
„Also wart ihr zwei Jahre auf See?“
„Ja. Die Winter waren hart und unsere Schiffe froren ein. Wir zogen sie über das Eis, um an offenes Gewässer zu kommen. Zehn Schiffe konnten fliehen, mit der Hälfte landeten wir hier und sicher wären wir auch noch länger auf der Suche nach einer neuen Heimat gewesen, wenn sie keine Schäden aufgewiesen hätten.“
„Ich verstehe. Er hat gewartet bis neue Krieger herangewachsen sind.“
„Ganz richtig und sie sind heiß darauf, in See zu stechen. Im ersten Winter starben die meisten Frauen und wir Kinder verloren unsere Mütter. Wir gaben denen die Schuld, die uns von der Insel vertrieben haben. Die Familie steht bei uns an erster Stelle. Ich habe lange auch so gedacht. Bis ich mit auf die Beutezüge ging, dann fing ich an umzudenken.“
„Wo liegen eure Schiffe? Wenn ihr noch rausgefahren seid und euch niemand dabei gesehen hat, müsst ihr sie gut versteckt haben.“
„An der Küste gibt es eine Höhle, die am Wasser liegt. Dort sind die letzten beiden Schiffe. Die anderen sind mit der Zeit auch zerstört und eines haben wir selbst auseinandergenommen, um zu lernen, wie genau es gebaut war. Unsere Bootsbauer sind leider alle auf der Insel gestorben.“
„Meinst du, Alric hat wirklich Interesse an meinem Volk? Wir haben doch nichts, was er nicht auch so haben kann.“
Keldan seufzte. „Ich fürchte, ihr habt etwas.“
„Fisch?“
„Nein.“
„Gemüse?“
„Frauen.“
Linn wich einen Schritt zurück. „Frauen?“
„Die wenigen Frauen, die noch bei uns sind, sind zu alt, um Kinder zu bekommen.“
„Ja, verstehe. Wann wird es soweit sein?“
Er hob die Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob er es überhaupt tun wird, aber er sprach vor kurzer Zeit davon.“
„Und warum wollte er mich dann umbringen?“
„Um Angst zu machen. Damit gar nicht erst jemand auf die Idee kommt, sich gegen ihn aufzulehnen.“
Linn wurde übel. Wie ein Blitz traf sie der Gedanke. Wenn dass Alrics Plan war und sie freiwillig bei seinem Sohn geblieben war, warf sie sich dann dem Räuber nicht vor den Rachen? Noch ein Schritt zurück und noch einer. Sie stieß an die Tür.
„Linn?“
Alric war nach Keldans Erzählung jemand, der einen Plan auch über lange Sicht verfolgte. War sein Sohn ebenfalls so? Hatte er ihr das alles nur erzählt, damit sie freiwillig blieb? Unruhe packte sie.
„Linn?“ Er ging auf sie zu.
Sie tastete nach dem Riegel, der die Tür verschloss.
„Linn?“
Sie drehte sich um, öffnete die Tür und rannte. Er rief ihren Namen, aber sie würde nicht stehen bleiben. Panik trieb sie in den Wald hinein und ließ sie nicht stehenbleiben. Auch wenn ihr Kopf sagte, dass sie genug Abstand zwischen sich und Keldan gebracht hatte.

7. Irrungen zwischen Bäumen

Die Nacht brach herein, als Linn sich wieder soweit beruhigt hatte, dass sie langsamer wurde. Ihre eigene Ausdauer hatte sie überrascht. Sie lehnte sich an eine Tanne und hoffte, dass das Brennen in ihrer Lunge weniger wurde.
Ich war so naiv. Warum sollte er mich überhaupt aus Nettigkeit gerettet haben. Er hat versucht, mich um den Finger zu wickeln.
Linn rutschte mit dem Rücken am Baumstamm herunter. Sie wusste nicht, ob sie traurig oder wütend auf sich selbst sein sollte. Die Erkenntnis hatte sie wie ein schnell nahendes Gewitter getroffen. Die dunklen Wolken hatten sich in ihrem Bewusstsein aufgetürmt und in einem Blitz entladen.
Ihr Körper begann zu zittern, als sie langsam wieder zur Ruhe kam. Sie spürte das Herz in ihrer Brust schlagen. Wieso wollte ich überhaupt bei ihm bleiben? Linn zog die Beine an den Körper. Jetzt, wo die Sonne immer weiter zum Horizont wanderte, wurde es kalt. Er hat mich beobachtet und wer weiß, wie lange. Ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken, als sie daran dachte, dass er ihr nachgestellt haben könnte. Nein, es musste so gewesen sein. Mit dem Schwert ihres Vaters war sie in den Wald gegangen, damit sie niemand dabei beobachten konnte. Er wusste von meiner Sehnsucht mit dem Schwert umgehen zu können und hat es ausgenutzt. Er kannte meinen Namen. Woher? Wie nah war er mit gekommen, ohne dass ich es gemerkt habe?
Die Sonne versank hinter dem Horizont und es wurde dunkel. Ihre Augen passten sich langsam an die Umgebung an. Wo bin ich überhaupt?
Sie hatte nicht darauf geachtet, wohin sie gelaufen war. Ihr einziger Gedanke war gewesen so viel Abstand wie möglich zu im aufzubauen.

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